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Wie steht es um künstlerische Nachlässe in der Region? Ein Fachtag soll das klären

Veröffentlicht am | von Frank Schildener
Johanna von Anshelm (Landkreis, von links), Stine Hollmann (Kunstverein) und Hans Schaper diskutieren im Atelier von Karl Schaper. Foto: Frank Schildener

Der Kunstverein Wolfenbüttel widmet sich am 17. September im Rahmen eines Fachtages künstlerischen Nachlässen. Diese Vermächtnisse künstlerischer Arbeit seien Teil sowohl von Kunst- als auch Regionalgeschichte. Sie sollen im Idealfall erhalten bleiben und zugänglich gemacht werden.

Zum Pressegespräch anlässlich der Fachtagung treffen wir uns im Garten des Apelnstedter Atelierhauses, in dem Karl und Susanne Schaper viele Jahre lang gewirkt hatten. Schapers Sohn Hans Schaper verwaltet dort dessen Nachlass seines Vaters und macht ihn der Öffentlichkeit zugänglich. 2020 widmete der Kunstverein Schaper eine eigene Ausstellung.

Viele Künstler:innen-Nachlässe im Landkreis Wolfenbüttel

„Gehen Nachlässe an ein Museum, müssen sie konservatorisch behandelt werden, müssen sie katalogisiert werden“, sagt Stine Hollmann, Geschäftsführerin des Kunstvereins. Was den Umgang mit Künstlernachlässen angehe, müsse das Rad nicht neu erfunden werden. Anfang/Mitte der 2010er Jahre habe es viele Symposien zu diesem Thema gegeben. „Jetzt kommen wir zu einer Künstlergeneration, in der es viele Nachlässe gibt“, erklärt sie. Ein knappes Dutzend mögen es im Landkreis Wolfenbüttel sein, schätzt sie.

Fachtag soll Sammelnde, Nachlassbetreuende und Künstler:innen unterstützen

Johanna von Anshelm, Leiterin der Abteilung Kultur & Medien beim Landkreis, nickt. „Diese vielen Nachlässe bedeuten auch viele Kulturschätze“, sagt sie. Der Fachtag solle ein Auftakt sein. „Wir gehen der Frage nach, wie wir diese Personengruppe weiter unterstützen können“, ergänzt sie. In der Tagesveranstaltung soll es für Nachlassbetreuende, Sammelnde und Künstler:innen gleichermaßen möglich sein, miteinander in den Austausch zu treten. In Vorträgen werden unter anderem Künstlerstiftungen, das Künstlerarchiv und die Künstlerdatenbank Niedersachsen vorgestellt. Diskussionen sollen dem Erfahrungsaustausch zu künstlerischen Vor- und Nachlässen ermöglichen. Zudem soll über die zukünftige Sicherung von Künstlernachlässen in der Region gesprochen werden. „Die Teilnehmenden können uns im Vorfeld Bilder schicken“, so Hollmann. Diese könnten zum Beispiel Lager- und Ateliersituationen zeigen.

20220905 Fachtagung PK 0030Hans Schaper arbeitet leidenschaftlich für den Erhalt des Nachlasses seines Vaters.

Ein Werkverzeichnis anlegen ist nicht alles

„Optimalerweise gibt es mehr und mehr Künstler, die sich bereits zu Lebzeiten um ein Werkverzeichnis ihrer Arbeiten bemühen“, so Hollmann. Die Aufnahme in ein Werkverzeichnis sei jedoch nicht alles. „Wie verortet man eine Arbeit in der Kultur? Wie bindet man das ein? Am Ende ist das ja auch Regionalgeschichte“, erklärt sie.

Schaper nickt und zeigt dazu eine Tuschemalerei mit einer Apelnstedter Ansicht. „Wir sehen hier eine ganz andere Dorfansicht, als sie sich heute darbietet“, so Schaper. Damit sei diese Arbeit, so wertvoll (oder eben auch nicht) sie sei, dennoch ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument. Mehr Zeitgeschichte gibt es im Atelier seines Vaters zu sehen, durch das Schaper uns führt. Raum, da sind sich alle einig, sei eines der großen Probleme künstlerischer Nachlässe. In Apelnstedt habe sich dies etwas entspannt, weil Werke aus dem Atelier auf den sanierten Dachboden ausgelagert werden konnten.

Wann und wo:

Samstag 17.9.2022, 9:30-16:30 Uhr, Kunstverein WF, Reichsstraße 1, 38300 Wolfenbüttel. Anmeldung an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Programm der Fachtagung
09.30 Uhr Ankommen & Begrüßung 
Stine Hollmann & Johanna von Anshelm

10.00 Uhr digitaler Input
Die Künstlerstiftung Malte Satorius – Staus Quo und Aussichten
von: Susanne Schubert (stellvertretende Geschäftsführerin der Braunschweigischen Stiftung)

10.15 Uhr Austausch zu Erfahrungen mit künstlerischen Vor- und Nachlässen

11.15 Uhr Vortrag
Zwischen Atelier und Museum – 
Das Künstlerarchiv der Stiftung Zukunftsfonds
von: Anna Wondrak (Leiterin des Künstlerarchivs der Stiftung Kunstfonds)

12.30 Uhr Mittagspause (Selbstkostenzahlung)

14.00 Uhr Vortrag
Künstlerdatenbank und Künstlerarchiv Niedersachsen, ein Projekt des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur in Kooperation mit dem Bund bildender Künstlerinnen und Künstler für Niedersachsen e.V., angesiedelt bei der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (VZG)
von: Dagmar Schmidt und Rüdiger Stanko vom Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler Niedersachen e.V.

15.15 Uhr Podiumsdiskussion
Zukunft der Sicherung künstlerischer Nachlässe in der Region

16.30 Uhr Ende

Mehr Informationen zur Fachtagung auf der Internetseite des Kunstvereins

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