Moshpit im Garten

Rock im Garten ist ein ganz besonderes Gartenfest. Zum dritten Mal in Folge war das Punk- und Hardcore-Festival Rock im Garten ausverkauft. Laut Veranstalter Christian Borger vom Veranstalterverein feierten rund 950 Besucherinnen und Besucher über den Tag verteilt vor der Bühne. Statt eines einzelnen großen Headliners setzte der Veranstalter dieses Mal auf ein breites, vielseitiges Line-up – und das kam an. Schon jetzt steht fest: 2027 wird ausnahmsweise gleich drei Tage lang gefeiert.
Bereits auf dem Campingplatz herrschte beste Stimmung.Los ging es schon am Vorabend mit der Warmup-Party am Sportheim Rohrsheim. Die Band „Die letzte Band der Welt“ spielte volles Pfund, Dorfbewohner und bereits angereiste Camper tanzten und sangen lautstark mit. Der Campingplatz war zu diesem Zeitpunkt schon gut gefüllt – ein Vorgeschmack auf den nächsten Tag im Garten.
Zur Eröffnung des Festivals spielten Rust & Riot auf einem Ackerwagen.Einen gelungeneren Start hätte sich das Festival kaum wünschen können. Rust & Riot aus Bückeburg eröffneten auf einem landwirtschaftlichen Anhänger, tourten volle Kanne über den Campground und zogen dann weiter zum Einlass, wo bereits Soko Linx warteten. In roten Strickmasken, mit Getränken aus Senfflaschen und straightem Riffgeschrammel brachten sie mit ihrem Song „Kartoffelsalat“ das Publikum zum ersten Mal zum Pogen. Später am Tag zeigte Stone Cold Love aus Magdeburg, wie gut raue Riffs, treibende Drums und eine weiblich geführte Stimme zusammenpassen. Tatsächlich entstehen auf dem begrenzten Platz vor der Bühne die ersten Circlepits des Tages. Dort wurde kräftig miteinander abgeklatscht. Für den Veranstalter fand die Band lobende Worte: „Das sie hier Punk und Dorf zusammenkriegen, ist geil und in Sachsen-Anhalt besonders wichtig.“
Bei Friedemann ist die Wut Programm.Eine ganze Spur wütender und ungeschönter ging es bei Kodder zur Sache. Sänger Friedemann, sonst als Liedermacher unterwegs, brüllte seine Wut über den Zustand der Gesellschaft in bester Hardcore-Manier heraus: „Ihr kotzt mich an, ich kotz mich aus."
Übrigens: Mehr als 100 Ehrenamtliche sorgten für den reibungslosen Ablauf, einige davon sind von der ersten Stunde an dabei. Gartenbesitzerin Inge wurde zwischendurch immer wieder mit „Inge“-Rufen aus dem Publikum gefeiert. Vor der Bühne füllte es sich bei praktisch jeder Band gut, auch das Camping-Angebot wurde rege genutzt – die Wiesen am Sportplatz füllten sich vorwiegend mit Wohnwagen und Wohnmobilen.
Bei allen Künstlern wurde vor der Band, wie hier bei On, fröhlich mitgesungen und getanzt.Weiter ging es mit On. Die Band nannte sich früher Tequila & the Sunrise Gang. Vor einiger Zeit benannten sich die Kieler um, um musikalisch freier zu sein, und gründeten zugleich ihr eigenes Plattenlabel. Vor der Bühne ging es richtig zur Sache. Neben neuen Songs durften auch einige ältere Klassiker nicht fehlen – schließlich gab es die Band unter ihrem alten Namen ganze 24 Jahre lang. Auch Tyna brachte Kraft pur auf und vor die Bühne. Von der ersten Minute an übertrug sich das auf das Publikum. Es wurde laut mitgesungen, getanzt und gefeiert.
Crowdsurferalarm bei Elfmorgen. Fotografen sprangen zunächst der Security bei.Elfmorgen sorgte schließlich für ungewöhnlich viele Crowdsurfer in Inges Garten, darunter viele Kinder. Die Frankfurter zelebrierten ihren Mix aus Punk, Pop und Rock mit deutschen Texten, den sie selbst als „krachlauten Unfug“ bezeichnen. Publikum und Grabensecurity kamen ordentlich dabei ins Schwitzen. Nach Focus. wurde es international. Los Fastidos aus Italien ließen es mit bestens tanzbarem Ska- und Streetpunk ordentlich krachen, nur unterbrochen von einem kurzen Stromausfall.
Im September geht es mit Rock im Garten Akustik weiter. Mit dabei sind unter anderem MAL ÉLEVÉ, Teluxe und Acht Eimer Hühnerherzen.
Im Nachgang zog der Veranstalter eine positive Bilanz: Der Campingplatz sei voller gewesen als je zuvor, das Trecker-Konzert so gut angekommen wie noch nie – schon bei der ersten Band sei es „so voll wie nie“ gewesen. Auch der Kinderbereich mit Zora e. V. und Omas gegen Rechts sei durchgehend gut besucht gewesen. Neu im Angebot: Wer wollte, konnte sich das Festival-Logo für einen guten Zweck tätowieren lassen – ein Angebot, das „sehr gut angenommen“ worden sei.
Für 2027 kündigt der Veranstalter Großes an: Rock im Garten feiert seinen 20. Geburtstag und das erstmals über drei Tage. Am Gelände in Rohrsheim ändert sich dabei nichts. Mit Slime und Massendefekt sind bereits zwei prominente Namen bestätigt, dazu unter anderem Drei Meter Feldweg, Batzen und Bruchbude. Der Eintritt kostet für alle drei Tage 89 Euro.
Eine ausführliche Bildergalerie vom Festival gibt es bei Facebook.
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