Heavy Metal in laut, bunt und inklusiv

Gibt es das Festival wirklich schon 33 Jahre? In der Tat. Das Rockharz-Festival hat sich in dieser Zeit vom kleinen „Rock gegen Rechts“-Event am Harzrand zu einer festen Größe im europäischen Metal-Kalender entwickelt. Mehr als 50 Bands rockten dieses Jahr die beiden Festivalbühnen. Ein Rückblick.
Opener Heavysaurus begeistert Festivalkinder
Was für ein Spaß! Heavysaurus begeisterte vor allem, aber nicht nur, die Kinder. 156 waren eingeladen.Heavysaurus begeisterte Klein und Groß gleichermaßen. Pünktlich zum Auftakt des diesjährigen Rockharz-Festivals am Ballenstedter Verkehrsflughafen verzogen sich Sturm und Regenwolken, die für eine knappe Stunde das Festivalgelände überfielen. Gut für die zahlreichen Kinder, die zum Festival-Opener Heavysaurus mit bunten Regenmänteln und Micky-Mäusen auf den Ohren einen eigenen Platz vor der Bühne zugewiesen bekamen. 156 Kinder waren vom Rockharz eingeladen worden. Sie kamen aus Grundschulen und Kindergärten des Rockharz-Umfelds. Eine wunderbare Aktion.
Final-Cry-Sänger Kai Wilhelm freute sich über den gewaltigen Zuspruch Donnerstag Vormittag.Und die Opener der übrigen Festivaltage? Die Zeiten, als sie vor nur wenig Publikum spielen mussten, sind auf dem Rockharz lange Geschichte: Die Beobachtung der letzten Jahre, dass sich bereits bei den ersten Bands des Tages das Infield gut mit Besuchern füllt, setzte sich in diesem Jahr fort.
„Wir haben vielleicht mit einem Viertel des Publikums gerechnet“
Final-Cry-Sänger Kai Wilhelm in einem Youtube-Interview.
Der große Zuspruch spricht für die große Qualität des Line-ups. Insgesamt betrachtet bot das Festival musikalisch einmal mehr ein breites Spektrum von Melodic Death Metal bis Mittelalter-Rock. Über 50 Bands spielten in diesem Jahr. Zu den Höhepunkten zählten Auftritte von Avatar, Hämatom, Alice Cooper, Hiraes, Airbourne, Kreator, Danko Jones und Knorkator.
Zombies, Freaks, Legenden
Wenig Schock, aber viel Rock bot die Headlinershow von Alice Cooper.Über 50 Bands, das sind zu viele, um allen ausführlich gerecht zu werden. Deshalb schreibe ich hier nur zu einer Auswahl. Allen voran lieferte Schockrock-Legende Alice Cooper einen theatralischen Headliner-Auftritt. Bühnenbild, Auftritt und Accessoires ließen mitunter etwas Musicalfeeling aufkommen. Seit 1968 dauert Coopers Karriere bereits. Das Publikum auf dem Infield nahm den bunten Strauß an Rock-Klassikern dankbar auf.
Die japanische Band Nagane spielte eine energiegeladene Show, die beim Publikum gut ankam.Eine positive Überraschung war die japanische Band Hagane. Für die vier in Kimonos auftretenden Musikerinnen war es der erste Auftritt in Deutschland überhaupt. Dennoch hat die Band bereits eine gute Fanbase, wie sich vor der Bühne zeigte. Ihre Songs singt die Band auf Japanisch. Das klingt in westlichen Ohren erst einmal befremdlich. Doch das Publikum feierte die Power-Metal-Show der Japanerinnen ausgiebig.
Avatar Frontmann Johannes Eckerström zeigte sich von seiner „freakigen“ Seite.Einen Mix aus Industrial und Melodic Death Metal lieferte die schwedische Metalcore-Band Avatar mit Frontmann Johannes Eckerström. In der selbst ernannten Freakshow gab Eckerström ganz jokerlike den Oberfreak. Eine sehenswerte Show. Finster wurde es auch mit Dominum. Die Band hat gerade ihr drittes Studioalbum „Night is calling“ veröffentlicht. Unter anderem gab die Band ihre Powermetalversion von Michael Jacksons „Thriller“ zum Besten. Dem Publikum gefiel die einstündige, mit Untoten gespickte Reise auf der Rock Stage.
Die gewaltige Stimme von Britta Göertz ist immer wieder beeindruckend. Das war Power pur!Ein weiterer Höhepunkt war für mich der Auftritt von Hiraes. Im vergangenen Jahr hatte Sängerin Britta Görtz noch mit Heaven Shall Burn auf der Bühne gestanden. Auch ihr Auftritt mit der eigenen Band hatte das Publikum schnell auf ihrer Seite und wurde ausgiebig gefeiert. Das war gesanglich und musikalisch gleichermaßen top!
Inklusion ist fest im Festivalalltag verankert
Bereits seit Jahren arbeitet das Rockharz mit der Lebenshilfe Braunschweig zusammen. Das Inklusionscamp bietet 24/7-Pflege, inklusive Intensivpflege und Dialysefahrten. Ein Pflegecontainer mit Deckenlifter und Duschliege steht rund um die Uhr zur Verfügung. Für sehbehinderte Besucher gibt es die Navigations-App „ROCKHARZ Kompass“, die sicher über das Gelände und bis ins Infield lotsen kann. In diesem Jahr kamen einige neue Angebote hinzu. Erstmals konnten im Inklusionscamp komplett aufgebaute Zelte über „mein-zelt-steht-schon“ gebucht werden.
Von der neuen Rolli-Bühne gab es einen guten Blick auf beide Stages. Foto: Katja RichterDer Rollstuhlhersteller MEYRA war direkt vor Ort – mit der Möglichkeit, Elektrorollstühle auszuprobieren und während des Festivals zu nutzen. Ein besonders bewegender Moment: Ein querschnittsgelähmter Besucher wurde mit Unterstützung von Helfern und dem Malteser Hilfsdienst auf einem geländegängigen Fahrzeug zur Teufelsmauer gebracht, um den Blick vom Großen Gegenstein auf das Festivalgelände zu genießen. „Über 500 Personen mit Behinderungen und deren Begleitpersonen (im Vorjahr 320) nahmen das Angebot einer Herberge im Inklusionscamp an“, teilte der Veranstalter nach dem Festival mit.
Das Rockharz bleibt familiär
Blick auf das nächtliche Rockharz. Foto: Daniel StahlmannDas inzwischen größte Rockfestival in Ostdeutschland lockt deutschlandweit und darüber hinaus Besucher. Über 25.000 waren es in diesem Jahr. Es geht trotz der erreichten Größe immer noch familiär zu und das Miteinander von Besuchern, Orga und Ordnern war freundschaftlich und respektvoll. Wie immer eigentlich, möchte man sagen. Neben dem guten Musikangebot gab es ein gewohnt gutes Verpflegungsangebot auf dem Infield. Auch das Anreisekonzept, im vergangenen Jahr erstmals eingesetzt, bewährte sich erneut.
Ausblick auf das Rockharz 2027
Das Rockharz 2027 ist bereits ausverkauft. Wer ein Ticket sucht, wird erfahrungsgemäß mit etwas Geduld im kommenden Jahr trotzdem dabei sein können.Das nächste Rockharz findet vom 7. bis 10. Juli 2027 statt. Nur 15 Stunden nach der exklusiven Öffnung des Ticketshops für Bestandskunden waren 90 Prozent aller Tickets verkauft. Nachdem der reguläre Vorverkauf geöffnet worden war, dauerte es gerade einmal 25 Minuten, bis es hieß: Sold out! Ein neuer Rekord in der Festivalgeschichte.
Meine Tages-Bildergalerien vom Rockharz-Festival sind auf Facebook zu finden.
Auf YouTube gibt es den offiziellen Festivalfilm zum diesjährigen Rockharz.
Das Rockharz im Internet: www.rockharz-festival.com.
Hinweis: Der Abschnitt zur Inklusion wurde mit Presse-Material des Veranstalters erstellt.
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