Ein Haus für Generationen
Freitagsdisco, Bandproben, Hilfe bei den Hausaufgaben: Gut eine Million Mal kamen Kinder und Jugendliche in 50 Jahren ins Jugendfreizeitzentrum am Harztorwall. Jetzt soll das Haus für 5,2 Millionen Euro saniert, erweitert und fit für die nächsten Generationen gemacht werden.
Das Jugendzentrum ist in die Jahre gekommen. 1976 ist es eröffnet worden. Die Ende September vom Rat der Stadt beschlossene Sanierung ist längst überfällig. Mitte 2027 soll sie beginnen und gut ein Jahr dauern.
Entkernen, dämmen, anbauen
In den 1970er-Jahren wurde das Gebäude als Stahlbetonskelettbau errichtet. Es befindet sich nach Angaben der Verwaltung nahezu im Originalzustand. Dem geht es nun für 5,2 Millionen Euro an den Kragen. Das bedeutet, dass der Haupttrakt bis auf den Rohbau entkernt wird. Nach Einschätzung der Verwaltung ist der Seitenflügel wirtschaftlich nicht zu halten und wird abgerissen.
Dach und Fassade werden gedämmt, die Fenster ausgetauscht. Innen setzt das Architekturbüro auf einen „Industrial-Style“ mit sichtbarer Technik. Eine Wärmepumpenanlage mit Fußbodenheizung ersetzt die alte Heizung. Hinzu kommen eine neue Lüftung, LED-Beleuchtung, eine Einbruchmeldeanlage und eine Photovoltaikanlage mit Speicher. Ein Anbau von rund 270 Quadratmetern vergrößert das Haus auf eine Bruttogrundfläche von etwa 975 Quadratmetern.
Künftig gliedert sich das Gebäude in drei Bereiche: einen JFZ-Kern, der ausschließlich den Kindern und Jugendlichen vorbehalten ist, Räume für externe freie Träger und einen Saalbereich. Die Bereiche lassen sich verbinden oder getrennt betreiben. Neben der offenen Jugendarbeit sollen dort Seminare und Schulungen, Bandproben, Konzerte und größere Musikveranstaltungen möglich sein. Die benachbarten Grundschulen Harztorwall und Karlstraße können die Mehrzweckräume mittags bei Bedarf als Mensa nutzen.
Kostensteigerungen eingepreist
Die Kosten summieren sich den Berechnungen der Verwaltung zufolge auf etwas über 4,2 Millionen Euro. 20 Prozent hat sie aufgeschlagen, um Preisrisiken abzufedern. In Summe 5,2 Millionen Euro Projektbudget.
Fördermittel gibt es nach Prüfung der Verwaltung derzeit nicht. Im Haushalt 2026 stehen 247.000 Euro bereit. Der Haushaltsentwurf sieht 3,5 Millionen Euro für 2027 vor und weitere 1,5 Millionen Euro für das Folgejahr. Nicht enthalten ist das Ausweichquartier für die Bauzeit. Dafür ist ein Budget von höchstens 600.000 Euro vorgesehen. Eine Lösung will die Verwaltung mit einer eigenen Vorlage zur Entscheidung vorlegen.
Den Zeitplan beschreibt die Vorlage so: Genehmigungsplanung und Baugenehmigung bis Ende 2026, Ausführungsplanung und Ausschreibungsunterlagen bis Ende März 2027, Vergabe und Baubeginn Mitte 2027, sobald der Haushalt rechtskräftig ist. Laut Bauzeitenplan soll das Haus im September 2028 fertig sein.
Was das JFZ künftig leisten soll
Bilck in das Jugendzentrum.Die Grundlage für die Sanierung hatte der Rat bereits im Juni 2025 gelegt: Zunächst war in Abstimmung zwischen Stadtjugendpflege und Hochbau eine Bedarfsplanung entwickelt worden. Dabei waren Mitarbeitende des JFZ eingebunden worden. Am Ende stand ein Nutzungs- und Betriebskonzept, in dem festgestellt wurde, dass der Bedarf an Übungs-, Angebots- und Projekträumen hoch sei und vom vorhandenen Raumangebot nicht gedeckt werden könne.
Das Raumprogramm sah eine Nettogrundfläche von rund 840 statt bisher 723 Quadratmetern vor. Neu vorgesehen ist ein separat nutzbarer Bereich für Gruppen wie das Jugendparlament, das Rockbüro, die DLRG-Jugend, den Stadtschülerrat, Theatergruppen oder die Sportjugend.
Sanieren statt neu bauen
Dass das JFZ an seinem Standort bleibt, zeichnete sich in der Planung schnell ab. Ursprünglich hatte die Verwaltung drei Varianten vorgestellt: eine reine Sanierung im Bestand, eine Sanierung mit Anbau und eine „Ein-Standort-Lösung“, bei der JFZ und Stadtjugendpflege zusammengezogen worden wären. Ziel war eine Förderung aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Die Verwaltung kündigte deshalb an, eine bestandsorientierte Sanierung umsetzen zu wollen.
Ein Haus für Generationen
Impression vom Festwochenende.Wie wichtig das JFZ für Wolfenbüttel ist, zeigte sich beim Festwochenende zum 50-jährigen Bestehen im September. Stadtjugendpfleger Stephan Fabriczek begrüßte am Freitagabend mehr als 200 ehemalige Besucherinnen und Besucher. Viele, die hier einst Punk-Konzerte erlebten, bringen laut Stadt inzwischen ihre Enkel mit.
1976 hatte das Haus nach zehnjähriger Planung eröffnet, damals noch als „Haus der Jugend“. Maßgeblich geprägt hat den Weg dorthin Albrecht Wagener. Der erste Stadtjugendpfleger Wolfenbüttels begleitete ihn ab 1971 unter dem Motto „Wolfenbüttel braucht ein Jugendfreizeitzentrum“. Bis 2007 gestaltete er die Arbeit der Stadtjugendpflege.
Die Stadt rechnet zum Jubiläum vor: rund 11.750 Öffnungstage in fünf Jahrzehnten, im Schnitt 90 Gäste am Tag, gut eine Million Besuchskontakte. Die Zahl der Öffnungstage hob auch Bürgermeister Lukanic in seiner Eröffnungsrede hervor. Viele Stammgäste kommen laut Stadt an mindestens drei Tagen in der Woche. Das Haus steht Kindern und Jugendlichen ab sechs Jahren offen, nach Angaben der Stadt unabhängig von sozialer Herkunft, Religion, Nationalität oder persönlichen Einschränkungen. 2015 nahm das JFZ Kinder und Jugendliche aus geflüchteten Familien auf. Die Stadt spricht von einem friedlichen Miteinander, das bis heute anhalte. Mit der offenen Jugendarbeit erfüllt das JFZ laut Stadt zugleich einen Teil der gesetzlichen Pflichtaufgaben der Kommune.
Vier Jahre Beratung
Bis hierhin war es ein langer Weg. Anfang 2022 beantragte die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen Ideenwettbewerb zur Frage, ob neu gebaut oder der Bestand weiter genutzt werden soll. Die SPD-Ratsfraktion forderte, die Sanierung vorzuziehen. Im Juni 2022 legte die Verwaltung im Jugendausschuss ihren ersten Sachstandsbericht vor. Es folgten ein erfolgloser Förderantrag 2023, die Weichenstellung für den Bestand 2024, die Bedarfsplanung 2025 und schließlich der Maßnahmenbeschluss 2026.
Nach vier Jahren Beratung ist das Ziel nun in Sicht. Bürgermeister Ivica Lukanic regte beim Jubiläum bereits eine gemeinsame Abrissfeier an, bei der Alt und Jung noch einmal zusammenkommen. Sie soll den Beginn der Bauphase markieren. Wenn alles nach Plan läuft, öffnet das erneuerte Jugendfreizeitzentrum im September 2028, 52 Jahre nach seiner Eröffnung.
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