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Erinnerung braucht Hände

Veröffentlicht am | Von Redaktion
Gruppenfoto von Auszubildenden, Berufsschülern und Vertretern im Ratssaal des Salzgitteraner Rathauses nach einem Jugendaustausch zur Gedenkstätte Auschwitz.
Zweiter Bürgermeister Christian Striese (5. v. l.) begrüßte im Ratssaal neben den VW- Auszubildenden und den Schüler/innen der Berufsschule aus dem polnischen Kety. Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee (10. v. l.), Christoph Heinemann (2.v.r.) vom Projekt Gedenkstättenarbeit der Volkswagen AG und VW Ausbilderin Annemarie Heuschkel (3. v.r.) sowie Lehrerin Agnieszka Kotynska (13.v.l.) und Lehrer Andrezej Rodak (8.v.l.) . Foto: Stadt Salzgitter

Christian Striese, Zweiter Bürgermeister der Stadt Salzgitter, konnte im Ratssaal des Rathauses der Stadt Salzgitter achtzehn Auszubildende des Unternehmens Volkswagen (Standorte Salzgitter, Braunschweig, Kassel und deren Partnerschule aus Kety (Polen)) begrüßen. Die Jugendlichen hatten im Rahmen einer internationalen Jugendaustauschmaßnahme in der Gedenkstätte Auschwitz (Stammlager und Birkenau) Restaurierungsarbeiten durchgeführt. „Ich bin beeindruckt von Eurem Engagement“, lobte Striese. „Gut, dass es junge Menschen wie Euch gibt, die sich mit unserer Geschichte auf so eindringliche und nachhaltige Weise beschäftigen.“

Während ihres dortigen Aufenthaltes unterstützten die Auszubildenden und die polnischen Berufsschüler/innen die Gedenkstätte bei den Konservierungsarbeiten. Sie halfen unter anderem dabei, Töpfe zu restaurieren, Wege von Schmutz zu befreien und Dachziegel zu reinigen. Mit dieser Arbeit leisteten die Jugendlichen einen Beitrag zur Erhaltung der Gedenkstätte Auschwitz. Die Jugendlichen tauschten sich in den zwölf Tagen über ihre verschiedenen Lebensläufe und kulturellen Unterschiede aus. Die Jugendbegegnungsstätte Auschwitz, in der sie untergebracht waren, wurde so zu einem Ort der Begegnung.

Begegnung mit Überlebenden

Die Teilnehmenden bekamen auch die Gelegenheit, eine Überlebende des Holocaust kennenzulernen. Janina Iwańska berichtete von den Schrecken, die sie im KZ Auschwitz erlebt hatte. Die Auszubildenden und Schüler/innen zeigten sich beeindruckt von ihren Schilderungen. „Vor Ort zu sein, die Geschichte der Überlebenden zu hören, macht einem deutlich, dass dies nicht nur Vergangenheit ist. Es gibt noch immer Menschen, die das erlebt haben“, berichtete eine Auszubildende über ihre Eindrücke. Die Jugendliche erzählte auch von einer Ausstellung mit Bildern von Häftlingen, für die sie die Bilderrahmen erneuert hatten. Sie schilderte beeindruckt: „Wir erfuhren, dass die Bilder entstanden waren, indem sich die Häftlinge gegenseitig gezeichnet hatten, da sie keine Spiegel hatten und nicht mehr wussten, wie sie aussahen.“ Sie sagte, das habe ihr gezeigt, dass man, wenn man morgens in den Spiegel schaut, sich bewusst machen sollte, was es mit einem macht, wenn man nicht mehr weiß, wie man aussieht. Ein polnischer Schüler zog als Fazit des Aufenthaltes: „Das Wissen, das ich hier mitgenommen habe, bleibt bei mir bis zum Ende meines Lebens.“ Er habe viel Neues über die Geschichte gehört, von dem er sonst nichts erfahren hätte. Beeindruckt waren die Jugendlichen auch davon, dass sie in den Gedenkstätten Orte besuchen konnten, die normalen Besucher/innen nicht zugänglich sind und die sie sehr beeindruckt hätten.

„Schön zu sehen, wie dieser Besuch die Jugendlichen verändert hat“, betonte Lehrerin Agnieszka Kotynska. Sie hoffe, dass das Projekt weitergeführt werde.

Salzgitters dunkle Vergangenheit

Christian Striese gab den Gästen in seiner Begrüßungsrede auch einen Einblick in die dunkle Vergangenheit der Stadt Salzgitter vom Bau der Hermann-Göring-Werke 1937 bis zur Errichtung der KZ- und Zwangsarbeiterlager im Stadtgebiet. „Beim Aufbau der nationalsozialistischen Rüstungsschmiede starben rund 4.000 Menschen. Zermürbt von den harten Arbeitsbedingungen, von Aufsehern in den Lagern und KZ-Außenstellen schikaniert, von einem unmenschlichen System hingerichtet.“ Er hob hervor, dass diese Opfer in Salzgitter nicht vergessen seien. „Wir gedenken ihnen an vielen Stellen im Stadtgebiet und zu zahlreichen Anlässen im Jahr.“

Bei dem Empfang der Auszubildenden und der Schüler/innen im Rathaus der Stadt Salzgitter dabei waren Ines Doberanzke-Milnikel und Christoph Heinemann vom Projekt Gedenkstättenarbeit in Auschwitz; VW-Ausbilderin Annemarie Heuschkel, Lehrerin Agnieszka Kotynska und Lehrer Andrzej Rodak von der Partnerschule in Kety, sowie der geschäftsführende Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner.

Heubner betonte, wie wichtig Strieses Einblick in die Salzgitteraner Geschichte und der Empfang im Rathaus für die Jugendlichen sei: „Sie erfahren hier, dass Politik nicht im Bundestag stattfindet, sondern vor der eigenen Haustür.“ Er erinnerte daran, dass die Internationale Jugendbegegnungsstätte Auschwitz, in der die Jugendlichen untergebracht waren, im kommenden Jahr seit 40 Jahren bestehe. Niedersachsen habe damals die Federführung unter den Bundesländern für die Errichtung dieser Begegnungsstätte übernommen. „Auch das gehört zur Geschichte des Landes“, hob er hervor.

Nachbereitung in Braunschweig und Berlin

Den Abschluss des Besuches der Gruppe bildete in den VW-Standorten Braunschweig und Berlin eine Nachbereitung des Besuches in den beiden Gedenkstätten, um ihre gemeinsamen Erfahrungen aufzuarbeiten. Zum Programm gehörten neben dem Empfang im Rathaus der Stadt Salzgitter die Besichtigung des Volkswagen-Werkes in Salzgitter sowie die Stadtgeschichte von Braunschweig und Salzgitter und politische Gespräche.

Hintergrundinfo zum Projekt

Seit 1987 Jahren bietet die Volkswagen AG jungen Auszubildenden im Rahmen ihrer internationalen Jugendaustauschmaßnahmen die Teilnahme an der „Gedenkstättenarbeit“ in Auschwitz an. Die Gedenkstättenarbeit hat im Volkswagen-Konzern eine lange Tradition und wird seit 2012 in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Auschwitz-Komitee (IAK) durchgeführt.

Jährlich nehmen circa 110 deutsche und polnische Jugendliche, 70 Manager/innen und Meister/innen und rund 40 Mitarbeitende aus unterschiedlichen VW-Gesellschaften an den Projekten in der Gedenkstätte teil. Mittlerweile haben circa 4025 deutsche und polnische Azubis, 908 Manager/innen und Meister/innen und circa 700 Personen von VW und VW-Gesellschaften des Betriebsrates, Managements und Vorstands teilgenommen.

Volkswagen sei damit einer der wenigen deutschen Großkonzerne, der sich auf diese Art seiner geschichtlichen Vergangenheit stellt und seine eigene Firmengeschichte so aufarbeitet.



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