Gregorian Voices begeistern Wolfenbütteler Publikum

Veröffentlicht am | von Frank Schildener
"The Gregorian Voices" entführten das Publikum in die Welt der christlich-mittelalterlichen Liturgiegesänge. Foto: Frank Schildener

Das ukrainische Vokalensemble „The Gregorian Voices“ ist auf Jubiläumstour. Dienstagabend beeindruckt es mit seinem historischen Chorgesang das Wolfenbütteler Publikum in der Trinitatiskirche.

Die Kapuzen ihrer traditionellen braunen Mönchsgewänder tief ins Gesicht gezogen, halten sie gelbe Kerzen in ihren Händen. Mit Gesang zieht das achtköpfige Ensemble im halbdunkel der Kirche vom Entré vor den Altar. Der erste Choral erklingt druckvoll aus dem Schatten. Das schafft Atmosphäre, reduziert den Einstieg in das Konzert auf den Gesang, der die wunderbare Akustik der Kirche zu St. Trinitatis nutzt und um einen pastoralen Klangteppich über das Publikum zu legen. Der erste Beifall erklingt mit dem Aufglimmen des Lichtes und dem Zurückwerfen der Kapuzen. Die Kerzen stehen inzwischen in Reih und Glied vor dem Ensemble. Eine malerisch-mystische Kulisse in dem noch weihnachtlich geschmückten Gotteshaus. Schwere, Ehrfurcht gebietende Gesänge wechseln sich in der Folge ab mit ebenso Weihevollem wie Leichtfüßigem, das die Kirche bis in den letzten Winkel mit Musik füllt. Hautnah erlebt der geneigte Besucher, wie es sich zu Zeiten des Entstehens jener Klänge angefühlt haben muss, religiösem Gesang in einer großen Kirche zu lauschen und teilzuhaben an einer eindrucksvollen mystischen Atmosphäre.

Chor lässt Kirchenmusik des frühen Mittelalters lebendig werden

Das ukrainische Vokaloktett feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Einstimmiger liturgischer Gesang, polyphone Mehrstimmigkeit von volumenreichen Bässen bis zu aufsteigenden Falsettgesängen faszinieren das Publikum. Das enthält sich im ersten, weihevollen Teil mehrheitlich aufdringlich-lauten Beifalls. Unter der Leitung von Oleksiy Semenchuk überzeugt der achtköpfige Männerchor mit stimmgewaltigen wie glockenklaren Stimmen und komplexen Zwiegesängen von Bass, Bariton und Tenor. Gregorianische Choräle, orthodoxe Gesänge und leichtfüßiges Liedgut aus Renaissance und Barock begeistern gleichermaßen. Es ist das Verdienst des Chores, vor allem jene Kirchenmusik des frühen Mittelalters, die dem Normalsterblichen eher verborgen bleibt, originalgetreu zu interpretieren und damit für den zeitgenössischen Besucher wieder lebendig werden zu lassen.

Moderne Songs erklingen im alten Gewand

Doch die mönchsgewandeten Männer können auch Moderne. Leonhard Cohens „Halleluja“ und Eras „Ameno“ schaffen den Übergang zur modernen, popsonggeprägten zweiten Konzerthälfte. Einige berühmte Popklassiker hat das Vokaloktett im gregorianischen Gewand arrangiert. Das klingt sicher, überrascht ebenso, wie es berührt und nach jedem Song für Beifall sorgt, jetzt, wo das Religiöse inhaltlich in den Hintergrund tritt. Besonders intensiv gelingt die gregorianische Version des Klassikers „My Way“, die sich nahtlos in die Reihe beeindruckender Interpretationen von Frank Sinatra bis Sid Vicious einfügt. Nach etwas über70 Minuten ist Schluss. Großer Beifall. Als Zugabe singt das Oktett Abbas „Thank you for the music“.

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